Am 8. September 2026 haben Bund und Kantone die Schweizer Ergebnisse der PISA-Studie 2025 veröffentlicht. Die Kurzfassung: Die Schweiz gehört weiterhin zu den 20 leistungsstärksten von 91 Ländern, in Mathematik liegt in Europa nur Estland vor ihr. Gleichzeitig verlieren Schweizer 15-Jährige seit zehn Jahren kontinuierlich Punkte in Mathematik und Lesen, und fast jeder dritte Jugendliche verfehlt im Lesen die Mindestkompetenz. Wir haben die Medienmitteilung und die Kurzzusammenfassung des nationalen Berichts gelesen und ordnen ein, was die Zahlen für Eltern in der Ostschweiz und in Zürich bedeuten.

Kurzfassung

Das Wichtigste in Kürze

  • Mathematik 499 Punkte (OECD 463), Naturwissenschaften 501 (482), Lesen 470 (461), modellbasiertes Problemlösen 520 (500): Die Schweiz liegt in allen Bereichen signifikant über dem OECD-Durchschnitt. In Mathematik ist sie weltweit auf Platz 9 und unter den OECD-Ländern auf Platz 4.
  • Seit 2015 verliert die Schweiz in Mathematik 22 Punkte (521 auf 499) und im Lesen 22 Punkte (492 auf 470). Beide Rückgänge sind statistisch signifikant. Die Naturwissenschaften bleiben stabil.
  • Im Lesen erreichen 28,8 % der 15-Jährigen die Mindestkompetenz nicht (2015: 19,9 %), in Mathematik 23,2 % (2015: 15,8 %).
  • 86 % nutzen das Smartphone täglich, ein Drittel ist an Wochentagen über drei Stunden in sozialen Netzwerken. Schweizer Jugendliche nutzen KI für die Schule häufiger als der OECD-Durchschnitt, ohne messbaren Effekt auf die Leistung.
  • PISA testet 15-Jährige, in der Schweiz also vor allem die 3. Oberstufe. Genau die Phase, in der sich Kanti, Lehrstelle und Berufsschule entscheiden.

Die Ergebnisse auf einen Blick

PISA misst auf einer Punkteskala, deren OECD-Mittelwert ursprünglich bei 500 lag. Rund 20 Punkte entsprechen laut OECD grob dem Lernfortschritt eines Schuljahres bei 15-Jährigen. Diese Faustregel ist umstritten, weil Jugendliche in verschiedenen Ländern unterschiedlich schnell lernen. Sie hilft aber, Grössenordnungen einzuschätzen. Rund 7'600 Jugendliche aus 275 Schweizer Schulen haben teilgenommen, erstmals online im Browser.

499
Mathematik (OECD 463). Nur 8 Länder signifikant besser, in Europa einzig Estland
501
Naturwissenschaften (OECD 482). Hauptbereich der Studie 2025, seit 2015 stabil
470
Lesen (OECD 461). Schwächster Bereich, seit 2015 minus 22 Punkte
520
Modellbasiertes Problemlösen (OECD 500). Neu, erstmals gemessen. Nur Estland besser
65,4 %
erreichen die Mindestkompetenz in allen drei Bereichen gleichzeitig (OECD 57,3 %)
15,1 %
gehören in Mathematik zur Leistungsspitze, Niveau 5 und 6 (OECD 7,8 %)

Quelle: SBFI/EDK, Anhang zur Medienmitteilung PISA 2025 vom 8. September 2026; Erzinger et al. (2026), PISA 2025. Die Schweiz im Fokus, Universität Bern.

Schweiz, Deutschland, Österreich und Estland im Vergleich

«Wie steht die Schweiz gegenüber Deutschland?» ist nach jeder PISA-Runde eine der häufigsten Fragen. Die Antwort 2026: deutlich besser, in Mathematik um 35 Punkte. Deutschland erreicht in allen drei Bereichen die tiefsten Werte seit Beginn der Studie im Jahr 2000. Estland ist in Mathematik und Naturwissenschaften das beste europäische Land. Die Balken zeigen, wie weit jedes Land über dem OECD-Durchschnitt liegt:

MathematikLesenNaturwissenschaften
Estland
Mathematik+45 (508)
Lesen+38 (499)
Naturwissenschaften+45 (527)
Schweiz
Mathematik+36 (499)
Lesen+9 (470)
Naturwissenschaften+19 (501)
Österreich
Mathematik+14 (477)
Lesen+6 (467)
Naturwissenschaften+15 (497)
Deutschland
Mathematik+1 (464)
Lesen+4 (465)
Naturwissenschaften+4 (486)

Vorsprung auf den OECD-Durchschnitt in Punkten (OECD: Mathematik 463, Lesen 461, Naturwissenschaften 482), in Klammern der Punktwert des Landes.

Punktwerte als Tabelle anzeigen
LandMathematikLesenNaturwissenschaften
Estland508499527
Schweiz499470501
Österreich477467497
Deutschland464465486
OECD-Durchschnitt463461482

Quellen: SBFI/EDK (Schweiz, Estland, OECD), IQS (Österreich), OECD und Deutsches Schulportal (Deutschland). Weltweit führen erneut ostasiatische Länder und Regionen wie Singapur, Japan und Korea.

Die Mathe-Rangliste: Platz 9 weltweit, Platz 4 der OECD

Nach Mittelwert liegt die Schweiz in Mathematik weltweit auf Platz 9. Nur acht der 91 teilnehmenden Länder und Regionen schneiden signifikant besser ab: sieben ostasiatische Bildungssysteme und Estland. Unter den 38 OECD-Ländern ist die Schweiz auf Platz 4 hinter Japan, Korea und Estland, in Europa auf Platz 2. Das war schon 2022 so. Platz 3 der OECD hatte die Schweiz 2009, 2012 und 2015. Beim Anteil der Mathe-Spitzenleistungen bleibt sie laut nationalem Bericht führend unter den westlichen Staaten.

1. B-S-J-Z (China)+149 (612)
2. Singapur+100 (563)
3. Macao (China)+86 (549)
4. Taiwan+83 (546)
5. Japan+62 (525)
6. Hongkong (China)+59 (522)
7. Korea+59 (522)
8. Estland+45 (508)
9. Schweiz+36 (499)
10. Grossbritannien+25 (488)
11. Kanada+22 (485)
12. Polen+21 (484)
Zum Vergleich
18. Österreich+14 (477)
25. Deutschland+1 (464)

Punkte über dem OECD-Durchschnitt (463), in Klammern der Mittelwert des Landes. Rang nach Mittelwert, benachbarte Ränge unterscheiden sich oft nicht signifikant. Quelle: OECD, PISA 2025 Results (Volume I), Tabelle I.1.

OECD-Rang der Schweiz in Mathematik seit 2000 anzeigen
PISA-RundeRang SchweizPunkte SchweizPlätze 1 bis 3
20007529Japan, Korea, Neuseeland
20037527Finnland, Korea, Niederlande
20064530Finnland, Korea, Niederlande
20093534Korea, Finnland, Schweiz
20123531Korea, Japan, Schweiz
20153521Japan, Korea, Schweiz
20186515Japan, Korea, Estland
20224508Japan, Korea, Estland
20254499Japan, Korea, Estland

Rang unter den heutigen 38 OECD-Ländern, berechnet aus den OECD-Mittelwerten je Runde. Mathematik-Trends sind erst ab 2003 voll vergleichbar.

Japan und Korea teilen sich die Plätze 1 und 2 der OECD seit 2012, Korea war sogar in allen neun Runden unter den ersten zwei. Warum das so ist und warum Nachhilfe nicht das Geheimnis ist, erklären wir im Artikel Warum Japan und Korea in Mathe vorne liegen.

Der Trend seit 2015: Mathematik und Lesen verlieren, Naturwissenschaften halten

Die Momentaufnahme 2025 ist gut. Die Entwicklung über zehn Jahre ist es nicht. In Mathematik hat die Schweiz bei jeder Erhebung seit 2015 Punkte verloren, im Lesen ebenfalls. Der Unterschied zwischen 2025 und jedem der drei früheren Erhebungsjahre ist in beiden Bereichen statistisch signifikant. Die Naturwissenschaften schwanken, bleiben aber auf dem Niveau von 2015.

Mathematik: Schweiz 521 (2015), 515 (2018), 508 (2022), 499 (2025) Punkte; OECD-Durchschnitt 490, 489, 472, 463. 450 475 500 525 2015 2018 2022 2025 Mathematik · Schweiz −22 Punkte seit 2015 OECD-Durchschnitt 2015: 490 Punkte OECD-Durchschnitt 2018: 489 Punkte OECD-Durchschnitt 2022: 472 Punkte OECD-Durchschnitt 2025: 463 Punkte Schweiz 2015: 521 Punkte Schweiz 2018: 515 Punkte Schweiz 2022: 508 Punkte Schweiz 2025: 499 Punkte 521 490 499 Schweiz 463 OECD Lesen: Schweiz 492 (2015), 484 (2018), 483 (2022), 470 (2025) Punkte; OECD-Durchschnitt 493, 487, 476, 461. 450 475 500 525 2015 2018 2022 2025 Lesen · Schweiz −22 Punkte seit 2015 OECD-Durchschnitt 2015: 493 Punkte OECD-Durchschnitt 2018: 487 Punkte OECD-Durchschnitt 2022: 476 Punkte OECD-Durchschnitt 2025: 461 Punkte Schweiz 2015: 492 Punkte Schweiz 2018: 484 Punkte Schweiz 2022: 483 Punkte Schweiz 2025: 470 Punkte 492 493 470 Schweiz 461 OECD
PISA-Mittelwerte der 15-Jährigen, 2015 bis 2025, gleiche Skala für beide Bereiche. Quellen: SBFI/EDK (Schweiz, OECD 2015 und 2025), OECD PISA 2018 und 2022 (OECD-Durchschnitt 2018 und 2022). Alle Werte auch in der Tabelle darunter.
Bereich (Schweiz)2015201820222025seit 2015
Mathematik521515508499−22
Lesen492484483470−22
Naturwissenschaften506495503501−5 (nicht signifikant)

Zum Vergleich der OECD-Durchschnitt 2015 zu 2025: Mathematik 490 auf 463 (−27), Lesen 493 auf 461 (−32), Naturwissenschaften 493 auf 482 (−11).

Der Rückgang ist also kein Schweizer Sonderfall, sondern ein Trend in fast allen OECD-Ländern. Im Lesen verliert die Schweiz weniger als der OECD-Durchschnitt, in Mathematik etwa gleich viel (je nach Berechnungsbasis der OECD 22 bis 27 Punkte). Trotzdem: 22 Punkte entsprechen nach der OECD-Faustregel grob dem Lernfortschritt eines Schuljahres. Die Schweiz hat ihre Spitzenposition in Mathematik nicht verloren, weil sie besser geworden wäre, sondern weil viele andere Länder ähnlich stark oder stärker abgerutscht sind.

Zum Nachschlagen: alle PISA-Erhebungen seit 2000

Der Blick auf die ganze Reihe zeigt, dass die Schweiz in Mathematik lange zwischen 527 und 534 Punkten lag und der Abstieg erst nach 2012 begann. Im Lesen war 2012 mit 509 Punkten der Höchstwert.

PISA-Mittelwerte der Schweiz 2000 bis 2025: Mathematik 529 auf 499, Naturwissenschaften 496 auf 501, Lesen 494 auf 470 Punkte; Höchstwerte 2009 (Mathematik 534) und 2012 (Lesen 509). 460 480 500 520 540 2000 2006 2012 2018 2025 Schweiz seit 2000 · Spitze 2009/2012, seither Rückgang Hohl = nur bedingt vergleichbar (Mathe 2000, NaWi 2000/03) Mathematik 2000: 529 Punkte Mathematik 2003: 527 Punkte Mathematik 2006: 530 Punkte Mathematik 2009: 534 Punkte Mathematik 2012: 531 Punkte Mathematik 2015: 521 Punkte Mathematik 2018: 515 Punkte Mathematik 2022: 508 Punkte Mathematik 2025: 499 Punkte Naturwiss. 2000: 496 Punkte Naturwiss. 2003: 513 Punkte Naturwiss. 2006: 512 Punkte Naturwiss. 2009: 517 Punkte Naturwiss. 2012: 515 Punkte Naturwiss. 2015: 506 Punkte Naturwiss. 2018: 495 Punkte Naturwiss. 2022: 503 Punkte Naturwiss. 2025: 501 Punkte Lesen 2000: 494 Punkte Lesen 2003: 499 Punkte Lesen 2006: 499 Punkte Lesen 2009: 501 Punkte Lesen 2012: 509 Punkte Lesen 2015: 492 Punkte Lesen 2018: 484 Punkte Lesen 2022: 483 Punkte Lesen 2025: 470 Punkte 501 Naturwiss. 499 Mathematik 470 Lesen 534 509
PISA-Mittelwerte der Schweiz, alle neun Erhebungen. Quellen: OECD-Kurzberichte 2000 bis 2022 (Ergebnistabellen auf Wikipedia), SBFI/EDK für 2025. Alle Werte in der Tabelle darunter.
Alle Werte seit 2000 als Tabelle anzeigen (Schweiz und OECD)
JahrCH LesenCH MatheCH Naturw.OECD LesenOECD MatheOECD Naturw.
2000494529496500500500
2003499527513494500500
2006499530512n. v.n. v.n. v.
2009501534517493496501
2012509531515496494501
2015492521506493490493
2018484515495487489489
2022483508503476472485
2025470499501461463482

Quellen: OECD-Kurzberichte PISA 2000 bis 2022 (Ergebnistabellen auf Wikipedia), SBFI/EDK für 2025 und den OECD-Wert 2015. Trendvergleiche gelten für Lesen ab 2000, Mathematik ab 2003 und Naturwissenschaften ab 2006 (erste Erhebung als Hauptbereich). n. v. = in den verwendeten Quellen nicht als Durchschnitt ausgewiesen. Als CSV herunterladen.

Die offene Flanke: Immer mehr Jugendliche verfehlen die Mindestkompetenz

Noch wichtiger als der Durchschnitt ist die Verteilung. PISA definiert das Kompetenzniveau 2 als Mindestvoraussetzung für eine erfolgreiche Lebensführung, also für Lehre, Weiterbildung und Alltag. Wer darunter liegt, kann zum Beispiel einfache Texte nicht sicher verstehen oder Alltagsrechnungen mit Prozenten nicht lösen. Diese Gruppe wächst in der Schweiz seit 2015, vor allem im Lesen.

PISA 2015PISA 2025
Lesen
PISA 201519,9 %
PISA 202528,8 %
Mathematik
PISA 201515,8 %
PISA 202523,2 %
Naturwissenschaften
PISA 201518,5 %
PISA 202520,7 %

Anteil der Schweizer 15-Jährigen unter Kompetenzniveau 2. OECD-Durchschnitt 2025: Lesen rund 31 %, Mathematik 34,8 %, Naturwissenschaften 25,6 %.

Tabelle mit OECD-Vergleich und Leistungsspitze anzeigen
Bereichunter Niveau 2, 2015unter Niveau 2, 2025OECD 2025Niveau 5/6, 2025
Lesen19,9 %28,8 %rund 31 %6,6 %
Mathematik15,8 %23,2 %34,8 %15,1 %
Naturwissenschaften18,5 %20,7 %25,6 %10,1 %

Allein zwischen 2022 und 2025 ist der Anteil der leistungsschwachen Jugendlichen im Lesen um 4,1 Prozentpunkte gestiegen, in Mathematik um 3,8 Prozentpunkte. Gleichzeitig schrumpft die Spitze: In Mathematik erreichen noch 15,1 % das höchste Niveau, 2015 waren es 19,3 %. Die Schweiz bleibt damit zwar das führende westliche Land bei der Mathematik-Spitze, verliert dort aber stärker als der OECD-Durchschnitt.

Fast zwei Drittel (65,4 %) der 15-Jährigen erreichen in allen drei Bereichen mindestens Niveau 2. Umgekehrt heisst das: Gut jeder dritte Jugendliche in der Schweiz hat in mindestens einem Bereich eine Lücke, die ihm beim Übertritt in Lehre oder Mittelschule im Weg stehen kann. Im OECD-Durchschnitt sind es 57,3 %, in Estland 76,3 %, in Deutschland 57,8 %.

Soziale Herkunft und Sprache

Jugendliche aus dem sozial am stärksten benachteiligten Viertel erreichen die Mindestkompetenz deutlich seltener als Gleichaltrige aus dem privilegiertesten Viertel. Auch ein Migrationshintergrund und die zu Hause gesprochene Sprache hängen mit den Leistungen zusammen. Interessant ist der Verlauf: In der Schweiz war dieser Abstand 2022, direkt nach der Pandemie, am grössten. 2025 liegt er wieder ungefähr auf dem Niveau von 2015. Ein Teil des Corona-Rückstands wurde also aufgeholt, die Schere selbst bleibt.

Smartphone, Social Media und KI: Was die Zahlen zeigen

PISA 2025 hat die Jugendlichen auch zu ihrem digitalen Alltag befragt. Die Zahlen für die Schweiz:

Smartphone täglich oder fast täglich, ausserhalb der Schule86 %
Smartphone (fast) täglich in der Schule52 %
(fast) tägliche Nutzung trotz Handyverbot an der Schule32 %
Soziale Netzwerke 1 bis 3 Stunden pro Wochentagrund 50 %
Soziale Netzwerke über 3 Stunden pro Wochentagrund 33 %

Angaben der Schweizer 15-Jährigen im PISA-2025-Fragebogen.

  • 86 % nutzen ausserhalb der Schule täglich oder fast täglich ein Smartphone, nur 2 % haben keines.
  • 52 % nutzen es auch in der Schule (fast) täglich. 51 % besuchen eine Schule mit Handyverbot auf dem Areal. In diesen Schulen geben trotzdem 32 % eine (fast) tägliche Nutzung an, in Schulen ohne Verbot 69 %.
  • Fast die Hälfte verbringt an Wochentagen 1 bis 3 Stunden pro Tag in sozialen Netzwerken, ein Drittel mehr als 3 Stunden.
  • KI: Schweizer Jugendliche nutzen KI-Tools für schulische Aufgaben häufiger als alle Vergleichsländer und signifikant häufiger als der OECD-Durchschnitt. Einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der KI-Nutzung und den Leistungen in Lesen, Mathematik oder Naturwissenschaften findet der Bericht nicht.

Die letzte Zahl ist die interessanteste. KI macht Jugendliche im Durchschnitt weder besser noch schlechter. Es kommt darauf an, wie sie eingesetzt wird: als Abkürzung zur Lösung oder als Erklärhilfe. Wie Kinder ChatGPT so nutzen, dass sie dabei etwas lernen, zeigen wir in unserem Leitfaden Wie man GPT richtig Fragen stellt. Zu sozialen Netzwerken haben wir für Eltern zusammengefasst, was sie über Threads wissen müssen.

Wohlbefinden: Mobbing steigt wieder, die Zugehörigkeit auch

21,1 %
berichten von Mobbing mehrmals pro Monat (OECD 19,3 %), wieder auf dem Stand von 2018
7,3 / 10
Lebenszufriedenheit (OECD 7,2), zurück auf dem Niveau vor der Pandemie
über Ø
Gefühl der Zugehörigkeit zur Schule: stärker als im OECD-Durchschnitt und steigend

Mobbing liegt damit deutlich über dem Wert von 2022. Der Bericht zeigt zudem: Je mehr Mobbing ein Kind erlebt, desto tiefer sind Zufriedenheit und Zugehörigkeit. Für Eltern heisst das: Wenn die Noten sinken, lohnt sich auch ein Blick aufs Umfeld. Ein Kind, das sich in der Klasse nicht sicher fühlt, lernt schlechter.

Was PISA über guten Unterricht sagt

Der nationale Bericht hat untersucht, welche Bedingungen mit höheren Leistungen einhergehen, unter Kontrolle von Geschlecht und sozialer Herkunft. Drei Faktoren stechen heraus, in dieser Reihenfolge: Disziplin im Unterricht (der stärkste Zusammenhang), kognitive Aktivierung (Aufgaben, die zum eigenen Denken zwingen) und Unterstützung durch die Lehrperson. Ausserdem sind Leistungsunterschiede stärker auf der Ebene der Schule verankert als auf der Ebene einzelner Klassen.

Unsere Lesart als Nachhilfeorganisation: Genau diese drei Bedingungen lassen sich im Einzelunterricht am einfachsten herstellen. Es gibt keine Störungen, die Aufgaben sitzen auf dem Niveau des Kindes, und Fragen werden sofort beantwortet statt in der nächsten Lektion.

PISA hat Nachhilfe nicht untersucht. Dieser Schluss ist unser eigener. Er passt aber zu dem, was wir seit 2016 in über 14'000 Lektionen beobachten: Kinder holen am schnellsten auf, wenn jemand ihre konkrete Lücke findet und schliesst, statt den Stoff der ganzen Klasse zu wiederholen.

Wie viele Schweizer Schüler nehmen Nachhilfe?

Erstaunlich wenig bekannt: Die letzte nationale Zahl stammt aus einem Zusatzfragebogen zu PISA 2012, ausgewertet von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF). Danach besuchten über 34 % der Jugendlichen in der 8. und 9. Klasse bezahlte Nachhilfe, 10 Prozentpunkte mehr als drei Jahre zuvor. Zwei Drittel davon regelmässig, vor allem in Mathematik und Fremdsprachen, und überdurchschnittlich oft aus sozial privilegierten Familien. Seit 2014 gibt es keine neue gesamtschweizerische Erhebung.

Kennzahl: Über 34 Prozent der Schweizer Jugendlichen in der 8. und 9. Klasse nahmen 2011/12 bezahlte Nachhilfe, plus 10 Prozentpunkte gegenüber 2008/09

Die SKBF hält auch fest, was Nachhilfe nicht kann: Bei regelmässiger, dauerhafter Nachhilfe war der messbare Effekt auf die Leistung sehr gering, teils sogar negativ, weil sie eigene Lernzeit verdrängen kann. Wir lesen das als Auftrag, nicht als Widerspruch. Nachhilfe muss eine konkrete Lücke schliessen und das Kind wieder selbstständig machen. Bei uns dauert eine Begleitung im Median 7,1 Monate und 21 Lektionen, danach steht das Kind in der Regel wieder auf eigenen Beinen. Wie sich die Nachfrage seit 2016 verteilt (Fächer, Schulstufen, Saison), zeigt unser Nachhilfe-Report Ostschweiz 2026.

Was das für Ihr Kind bedeutet

PISA testet 15-Jährige. In der Schweiz sind das in der Regel Jugendliche im 9. Schuljahr, also in der 3. Oberstufe, teils schon im ersten Jahr von Kanti, Lehre oder Berufsschule. Die Studie misst damit das Ergebnis von neun Schuljahren, genau in dem Moment, in dem sich der weitere Weg entscheidet. Drei Beobachtungen aus unserer Praxis passen zu den Zahlen. Zuerst die Nachfrage nach Fach in unseren eigenen Lektionen:

Mathematik51,9 %
Deutsch20,8 %
Französisch15,6 %
Englisch8,5 %
Übrige Fächer3,3 %

Anteil an über 14'000 Nachhilfelektionen der Lotus Academy seit 2016 (Thurgau, St. Gallen, Zürich).

  • Mathematik und Lesen sind die zwei Bereiche mit Rückgang. Sie sind auch die zwei meistgefragten Nachhilfefächer. 51,9 % aller unserer Lektionen sind Mathematik, 8 von 10 Kindern bei uns bekommen dort Unterstützung. Deutsch folgt an zweiter Stelle. Mehr dazu in unseren Nachhilfe-Statistiken.
  • Lücken entstehen früh, nicht erst mit 15. Wer in der 5. Klasse Bruchrechnen nicht versteht, scheitert in der 2. Oberstufe an Gleichungen. Bei uns beginnt Nachhilfe zu 40 % schon in der Primarstufe, und das ist kein Zufall.
  • Für Kanti und Lehre zählen die Grundlagen. In den Aufnahmeprüfungen der Kantonsschulen liefern fünf Mathe-Themen 53 % aller Punkte, allen voran Gleichungen (Auswertung von 105 Prüfungen). Und Lehrbetriebe nennen ungenügende schulische Leistung als zweithäufigsten Grund für Lehrvertragsauflösungen (siehe Nachhilfe für Lehrlinge).

Fünf Dinge, die Eltern jetzt tun können

  1. Lesen wieder zur Routine machen. 20 Minuten pro Tag, egal was: Fussballmagazin, Fantasy-Roman, Zeitungsartikel, Spielanleitung. Lesekompetenz wächst mit der Textmenge, nicht mit der Textart. Erster Schritt heute: Ihr Kind sucht sich den Text selbst aus.
  2. Mathe-Grundlagen prüfen statt raten. Drei Aufgaben genügen: ein Bruch (¾ + ½), eine Prozentrechnung (15 % von 80) und eine Gleichung (2x + 3 = 11). Wer hier stockt, hat eine Lücke, die sich in der Oberstufe vervielfacht. Unsere Mathematik-Nachhilfe beginnt genau bei solchen Lücken.
  3. Handy-Regel für die Hausaufgabenzeit. PISA zeigt, dass selbst Handyverbote an Schulen nur teilweise eingehalten werden. Zu Hause funktioniert eine Regel besser als ein Verbot: 45 Minuten konzentriert arbeiten, das Handy liegt in einem anderen Raum. Danach ist es wieder frei.
  4. KI als Lernpartner, nicht als Lösungsautomat. Der Unterschied liegt in der Frage. «Löse Aufgabe 4» bringt nichts. «Erkläre mir Schritt für Schritt, warum bei 2x + 3 = 11 zuerst die 3 wegkommt» bringt Verständnis. Beispiele dazu im GPT-Leitfaden für Eltern.
  5. Früh reagieren, nicht erst beim Zeugnis. Signale: eine Note unter 4, Hausaufgaben dauern plötzlich doppelt so lang, das Kind sagt «ich verstehe nichts mehr». Erster Schritt: Gespräch mit der Lehrperson. Zweiter Schritt: Stützkurs der Schule oder Einzelnachhilfe. Bei uns sind die ersten zwei Lektionen kostenlos, damit Sie sehen, ob es passt.

Die fünf Tipps mit dem Kurzfazit gibt es als Einseiter zum Weiterleiten: PISA 2025 in 2 Minuten für Eltern (PDF).

Was PISA nicht sagt

  • Keine Kantonsvergleiche. Seit PISA 2015 nimmt die Schweiz nur mit einer nationalen Stichprobe teil. Für Thurgau, St. Gallen oder Zürich gibt es keine eigenen Werte. Kantonsvergleiche liefert die Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) der EDK.
  • Keine Ursachen. PISA misst Zusammenhänge, keine Kausalität. Ob Pandemie, Handy, Lehrplan oder Zusammensetzung der Klassen hinter dem Rückgang stehen, kann die Studie nicht beantworten. Auch unsere Lesart oben ist eine Interpretation, kein Beweis.
  • Eine Momentaufnahme mit 15. Die Ergebnisse sagen nichts über einzelne Kinder, Schulen oder Lehrpersonen. Ein gutes Zeugnis bleibt ein gutes Zeugnis, ein schlechtes ist kein Urteil.
  • Neue Methode. PISA 2025 wurde erstmals online im Browser durchgeführt. Die Vergleichbarkeit mit früheren Jahren wurde statistisch abgesichert, ein Rest Unsicherheit bleibt bei jedem Methodenwechsel.

Grafiken zum Einbetten: Alle Diagramme dieses Artikels gibt es als PNG und SVG mit Embed-Code, frei verwendbar unter CC BY 4.0. Dazu zitierfähige Aussagen, der Nachhilfe-Report Ostschweiz 2026 aus über 14'000 Lektionen, PDFs und die PISA-Zeitreihe als CSV auf Medien & Daten. Anfragen über das Kontaktformular.

Quellen

  1. SBFI und EDK (8. September 2026): Medienmitteilung «OECD publiziert die PISA-Ergebnisse 2025» mit Anhang: Kurzzusammenfassung (PDF). Alle Schweizer Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem Anhang.
  2. Erzinger, A. B., Pham, G., Denecker, C. und Salvisberg, M. (Hrsg.) (2026): PISA 2025. Die Schweiz im Fokus. Universität Bern. Übersicht auf pisa-schweiz.ch.
  3. OECD (2026): PISA 2025 Results (Volume I): Future-Ready Students. OECD Publishing.
  4. OECD (2021): How much do 15-year-olds learn over one year of schooling? (Faustregel 20 Punkte).
  5. Österreich: IQS, PISA 2025. Deutschland: Deutsches Schulportal, die zehn wichtigsten Ergebnisse.
  6. Hof, S. und Wolter, S. C. (2014): Ausmass und Wirkung bezahlter Nachhilfe in der Schweiz. SKBF Staff Paper 14, Aarau (Zusatzfragebogen zu PISA 2012).
  7. Zeitreihe 2000 bis 2022: OECD-Kurzberichte «First Results from PISA 2000» bis «PISA 2022 Results», zusammengefasst in den Ergebnistabellen auf Wikipedia.
  8. Nachhilfe Lotus Academy: Nachhilfe in Zahlen (eigene, anonymisierte Daten aus über 14'000 Lektionen) und Medien & Daten (Grafiken, Report, CSV).

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